Gesundheitspolitischer Kommentar

Strategische Front gegen Diabetes

Cornelia Kolbeck, Freie Journalistin für Medizin und Gesundheitspolitik

Heute leben in Deutschland ca. 7,5 Millionen Menschen mit Diabetes, mehr als 90 Prozent davon mit Diabetes Typ-2. In 20 Jahren sollen bis zu zwölf Millionen Menschen von Typ-2-Diabetes betroffen sein, so Hochrechnungen von Wissenschaftlern. Eigentlich sollte schon das Präventionsgesetz gegenwirken, doch mit der hier angestrebten stärkeren Eigeninitiative des Einzelnen ist das so eine Sache, wenn an jeder Ecke Fast-food-Läden mit leckeren, aber leider auch oft nicht gesundheitsförderlichen Speisen locken und viele verkaufte Getränke noch immer zu viel Zucker beinhalten.

Ärzte und Krankenkassen fordern längst ein Umsteuern – von der Verhaltens- auf die Verhältnisprävention. Doch die Politik zieht hier nicht so recht mit, selbst innerhalb der Regierung gehen die Meinungen zu konkreten Maßnahmen wie der Lebensmittelampel auseinander. So gibt es keine gesetzlichen Vorgaben zur Reduktion von Zucker, Fett und Salz in verarbeiteten Lebensmitteln, sondern bisher nur die Hoffnung, dass die Industrie entsprechende Selbstverpflichtungen umsetzt. Interessanterweise sind viele Supermärkte schon weiter. Sie offerieren immer mehr Produkte für Gesundheitsbewusste.

Besser wäre allerdings eine einheitliche und konsequent umgesetzte gesamtgesellschaftliche Strategie, um die vorausgesagte Diabetes-Entwicklung zu bremsen. Die Ziele sollten bei täglich gesundem Essen in Kindergarten und Schule beginnen und sich über eine rechtzeitige Erkennung des Diabetes beim Arzt bis zur ausreichenden Unterstützung im Umgang mit der Erkrankung durch die Kassen, z.B. bei digitalen Helfern oder entsprechendem Schuhwerk erstrecken.

Im Koalitionsvertrag ist eine solche Diabetesstrategie in einem Nebensatz erwähnt. Ende 2019 soll sie Realität werden. Eine schriftliche Ausarbeitung liegt bereits vor, wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt kürzlich bei einer Veranstaltung berichtete. Es hänge jetzt noch an der SPD, die auch noch eine Adipositas-Gegenstrategie eingearbeitet haben möchte. Bleibt zu hoffen, dass die Koalition letztlich an einem Strang zieht, die Diabetesstrategie auch von den Fachgesellschaften und Patientenverbänden für gut befunden wird und sie in der Realität auch schnellstmöglich ankommt.    

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