Gesundheitspolitischer Kommentar

Bußgeld für Impfverweigerer

Cornelia Kolbeck, Freie Journalistin für Medizin und Gesundheitspolitik

Von 100 Menschen, die an Masern erkranken bekommen etwa fünf eine Mittelohrentzündung, etwa einer erleidet eine Lungenentzündung. Zehn von 10.000 Erkrankten bekommen statistisch gesehen eine Gehirnentzündung, wobei bei bis zu jedem dritten dieser Patienten Gehirnschäden zurückbleiben. Noch Jahre später kann sich eine subakute sklerosierende Panenzephalitis entwickeln, die immer tödlich verläuft. Vier bis elf von 100.000 Masernkranken sind schätzungsweise betroffen. Bei an Masern erkrankten Kindern unter fünf Jahren sind es etwa 20 bis 60.

Diese Zahlen der Bundesärztekammer stammen aus 2015, ein Jahr mit 2464 registrierten Masern-Fällen in Deutschland, viele davon in Berlin. Der Nationale Aktionsplan 2015-2020 zur Elimination der Masern und Röteln in Deutschland soll die Bereitschaft zu Impfung zu erhöhen und über Impfquoten bei Kindern von 95 Prozent eine Bevölkerungsimmunität erreichen bzw. aufrechterhalten. Ziel bisher verfehlt, muss man inzwischen angesichts einer Impfquote sagen, die laut Schuleingangsuntersuchung zwar bei der ersten Masern-Impfung noch über der Zielmarke, bei der für die Immunisierung erforderlichen zweiten Impfung aber fast überall in Deutschland darunter liegt. Die Folge sind immer neue Masernausbrüche mit vielen Infizierten. Mehrere Bundesländer sind betroffen. Bereits bis Anfang März 2019 wurden dem Robert-Koch-Institut 170 Masernfälle gemeldet.

Steigende Masernfallzahlen sind allerdings nicht nur ein deutsches Problem. Laut Weltgesundheitsorganisation haben sich allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 mehr als 41.000 Kinder und Erwachsene in Europa mit Masern infiziert. Die Gesamtzahl für diesen Zeitraum übersteige bei weitem die Gesamtwerte für jedes Kalenderjahr in diesem Jahrzehnt, heißt es. Und in New York wurde kürzlich eine Impfpflicht für Brooklyn beschlossen, weil die Erkrankungszahlen in der Stadt von zwei Fällen 2017 auf über 800 Fälle 2018 gestiegen waren.

Eine Impfpflicht soll auch für Deutschland kommen. Der Masernschutzgesetz-Entwurf liegt bereits vor. Nach diesem wird für den Besuch von Kita und Schule der Impfnachweis erforderlich. Auch Erzieher, Lehrer und das gesamte Personal müssen eine Immunisierung nachweisen, sofern sie nicht bereits erkrankt waren. Gleiches gilt für Mitarbeiter von medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Arztpraxen. Wer sein Kind nicht impfen lässt, dem drohen laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Bußgelder in Höhe von bis zu 2.500,00 EUR, veranlasst durch die Gesundheitsämter. Nichtgeimpfte Kinder können von der Kita ausgeschlossen werden. Dieses Gesetz ist richtig und längst überfällig.

Die vorangegangenen gesundheitspolitischen Kommentare finden Sie in unserem Archiv:
Archiv - Gesundheitspolitischer Kommentar