Gesundheitspolitischer Kommentar

Wir können nichts mehr für Sie tun. Oder doch?

Cornelia Kolbeck, Freie Journalistin für Medizin und Gesundheitspolitik

Kürzlich zeigte ein Bericht, wie weit Theorie und Praxis beim Entlassmanagement auseinander liegen können. Ein entzündeter Gleichgewichtsnerv hatte eine Kollegin ins Bett eines renommierten Krankenhauses gebracht. Nach nicht einmal zwei Tagen hieß es, man könne nichts mehr für sie tun, obwohl die Frau nur mit Mühe allein geradeaus laufen konnte. Übergeben wurde vom Arzt noch ein kurzer Entlassbrief. Das wars. Eine Krankenschwester bot auf Nachfrage zur Heimfahrt an, ein Taxi zu rufen. Auf die Intervention der alleinstehenden Frau hin wurde daraus ein Krankentransport. Die freundlichen Transporteure informierten noch darüber, dass zwei Wochen lang Anspruch auf Krankentransport besteht, sollte sich ein Termin in einer Arztpraxis erforderlich machen. Bedarf bestand allerdings nicht, denn noch in der Klinik hatte sich die Journalistin daran erinnert, dass Krankenhausärzte bei Entlassungen von Patienten auch Krankschreibungen ausstellen können und eine solche eingefordert. Das ließ etwas Spielraum.

Der Gesetzgeber hat geregelt, dass Patienten beim Übergang von der stationären zur ambulanten Versorgung für einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen nahtlos versorgt werden können. Die Details sind im Rahmenvertrag Entlassmanagement verankert, der 2017 in Kraft trat. Hier verpflichten sich die Spitzenverbände der Kranken bzw. Pflegekassen, Kassenärztliche Bundesvereinigung und Deutsche Krankenhausgesellschaft auch, eine bedarfsgerechte und kontinuierliche Versorgung der Patienten im Anschluss an die Krankenhausbehandlung zu gewährleisten.

Viele Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen haben sich darauf eingestellt. Doch offenbar funktioniert der Übergang noch nicht überall. Beim Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit berichtete Benjamin Finger, Referent Qualitätssicherung / Krankenhaus beim BKK Dachverband e.V., dass etwa jeder fünfte Patient, der aus dem Krankenhaus entlassen wird, einen komplexen Versorgungsbedarf hat. Dem werde jedoch oft nur unzureichend Rechnung getragen und es komme zu Versorgungslücken in der nachstationären Versorgung von Patienten. Welche Bedingungen auch immer die Ursache für ein unzureichendes Entlassmanagement sind – zu viele Patienten, zu wenig Personal, noch nicht festgelegte Routinen – dass Patienten erst beim Arzt die Übergangsleistungen einfordern müssen ist jedenfalls nicht Intension des Gesetzgebers – zumal viele Patienten ihre Rechte hierzu gewiss gar nicht kennen. 

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