Gesundheitspolitischer Kommentar

Kriterien für die Spitzenmedizin

Cornelia Kolbeck, Freie Journalistin für Medizin und Gesundheitspolitik

Immer wieder kommt, wenn es um hohe Versorgungsqualität geht, die Forderung nach verstärkter Zentrenbildung auf. Das wird u.a. für jene Indikationen für notwendig erachtet, wo es bundesweit nur wenige Patienten gibt. Zentren gibt es allerdings schon zahlreiche. Aber offenbar wird der Zentrumsbegriff von Bundesländern wie Krankenhäusern sehr unterschiedlich interpretiert, oder wie es Prof. Josef Hecken, der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) "inflationär und versorgungspolitisch beliebig benutzt". Es ist deshalb gut, dass der G-BA nicht nur mit Zustimmung der Länder und der Patientenvertreter, sondern auch einstimmig Kriterien für Zentren beschlossen hat. Das heißt, wer sich Zentrum nennen will, muss bestimmte Spitzenmedizin vorweisen. Das betrifft Zentren für seltene Erkrankungen, onkologische Zentren, Traumazentren, rheumatologische Zentren und Herzzentren. Regelungen für weitere Zentren sollen 2020 folgen. Im Fokus stehen dann Schlaganfallzentren (interdisziplinäre neurovaskuläre Zentren), Lungenzentren, sonstige ausgewiesene Zentren, nephrologische und kinderonkologische Zentren.

Bei einem Zentrum im entgeltrechtlichen Sinne handele es sich "um eine Einrichtung, die in dem betreffenden Fachbereich besonders spezialisiert ist und sich aufgrund medizinischer Kompetenz und Ausstattung von anderen Krankenhäusern abhebt", stellt der G-BA klar. Ein Zentrum müsse sich durch die Wahrnehmung besonderer Aufgaben von den Krankenhäusern ohne Zentrumsfunktion unterscheiden. Unterteilt wird vom G-BA in besondere Aufgaben, zu denen u.a. interdisziplinäre Fallkonferenzen gehören, und in übergreifende Aufgaben wie Registerführung und -auswertung. Besonders positiv zu werten ist, dass die Leistungen nicht über das DRG-System finanziert werden, sondern über sog. Zentrumszuschläge. Die Höhe des Zuschlags kann soll zwischen dem Krankenhaus und den Krankenkassen vereinbart werden, sofern die Voraussetzungen für die Zuschlagsberechtigung erfüllt sind.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass das Bundesgesundheitsministerium als Aufsicht keine rechtlichen Einwände sieht und die Regelungen wie geplant am 01.01.2020 in Kraft treten können - und dass sich die Vertragspartner auf Zuschläge einigen können.      

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